Körber-Preis 2019
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Abbildung: Kreative Arbeitsatmosphäre: Die Doktoranden Chaochao Lu und Arash Mehrjou programmieren in ihrem Büro komplexe Algorithmen.   


»Die maschinelle Intelligenz benötigt nicht nur Daten, sondern vor allem Köpfe.« BERNHARD SCHÖLKOPF 

Gemessen an der Zahl wissenschaftlicher Publikationen zum Thema KI ist Deutschland im internationalen Vergleich bereits ins Hintertreffen geraten. »Nur noch drei bis vier Prozent der Artikel bei Top-Konferenzen haben deutsche Co-Autoren«, sagt Schölkopf. Vor gut zehn Jahren seien es noch zehn Prozent gewesen. Vor allem China hole mächtig auf. 2017 wurden dort 48 Prozent aller weltweit in KI-Start-ups geflossenen Mittel investiert, im Jahr davor waren es noch elf Prozent. Auf einer Fortune-Liste der 100 führenden KI-Start-ups sei Deutschland überhaupt nicht vertreten.

»Wer sich mittelfristig eine Führungsposition in der KI sichern will, sollte«, so Schölkopf, »zum einen bereits existierende KI-Methoden breit einsetzen – durch Förderung von Start-ups, Technologietransfer und angewandte Forschung in Fraunhofer-Instituten und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz –, zum anderen sollte er strategisch in die Grundlagenforschung investieren, denn KI-Hotspots wie im Silicon Valley oder Cambridge entstehen an Orten mit herausragender Grundlagenforschung. Die Lernverfahren von morgen werden heute erfunden. Die maschinelle Intelligenz benötigt nicht nur Daten, sondern vor allem Köpfe.« Deshalb werde die Firma mit den besten selbstfahrenden Autos »nicht die mit den besten Patenten oder dem besten Geheimwissen sein, sondern diejenige mit den besten Ingenieuren, den besten Machine-Learning-Leuten«.

Der ›Corner Room‹ des MPI in Tübingen dient als Ort der Ruhe und Besinnung – wenn nicht gerade jemand zur E-Gitarre greift.