Körber-Preis 2019
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Abbildung: Der 75 Kilo schwere humanoide Roboter Athena – ein Unikat – dient der Erforschung dynamischer Laufbewegungen.


LOKALE KI-HOTSPOTS IN EUROPA MÜSSEN GESTÄRKT WERDEN 

Europa hat bislang vor allem personell das Nachsehen, weil große IT-Firmen und Elite-Universitäten, vor allem aus den USA, konsequent die besten Talente abwerben. Google finanziert zurzeit über 250 Forschungsprojekte im Bereich ›Deep Learning‹. Am stärksten betroffen sind hiesige öffentliche Forschungseinrichtungen. Schölkopf: »Viele unserer angehenden Doktoranden haben Angebote von amerikanischen Firmen oder Elite-Universitäten. Dort arbeiten Professoren aus Europa, die in den USA zu Superstars und erfolgreichen Unternehmern aufgestiegen sind. Und Nachwuchswissenschaftler wollen halt dort lernen, wo die Besten forschen.« Es sei daher entscheidend, lokale Hotspots in Europa – wie das neue deutsche Cyber Valley – zu stärken, Zugpferde der Zunft zu halten oder nach Europa zurückzuholen. Zum Glück habe die Max-Planck-Gesellschaft frühzeitig in die KI-Zukunft investiert und 2011 das inzwischen weltweit anerkannte MPI für Intelligente Systeme gegründet.

Im Rahmen des geplanten ELLIS-Programms (European Lab-o-ratory for Learning and Intelligent Systems) will Schölkopf »führende europäische Standorte besser miteinander vernetzen, gemeinsame Programme aufsetzen und Doktoranden ausbilden. Junge Spitzenforscher sollten nicht in die USA gehen müssen, um auf dem höchsten Niveau zu arbeiten.« Die Mittel des Körber-Preises will Schölkopf unter anderem in seinem neuen Fachgebiet Kausale Inferenz und für Workshops zur Förderung des ELLIS-Projekts verwenden.

Schölkopf sieht aber auch die Schattenseiten der KI: Einige Wissenschaftler arbeiten an intelligenten Kampfmaschinen, die im Krieg autonom Menschen töten könnten. Schölkopf ächtet diese militärischen KI-Anwendungen entschieden und organisiert gemeinsam mit vielen anderen KI- und Robotik-Forschern den Protest dagegen.

Die verbreitete Angst vieler Menschen vor KI hält Schölkopf dagegen für übertrieben: »Die Systeme funktionieren nur in thematisch jeweils sehr eng begrenzten Spezialgebieten. Selbst Deep-Learning-Netze sind verglichen mit dem Gehirn recht simple Strukturen.« Sein Fachkollege Wolfgang Wahlster, Gründungsdirektor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, pflichtet ihm bei: »Von der menschlichen Alltagsintelligenz ist die KI immer noch Lichtjahre entfernt. Gesunden Menschenverstand kann sie nur äußerst beschränkt erwerben.«